
Wer sich selbstständig macht, hat unter Umständen die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Beide Versicherungssysteme haben Vor- und Nachteile. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen und kann sich „lebenslänglich“ auswirken. Die Unabhängige Patientenberatung kann hier Unterstützung anbieten. Hier ein Fall aus der Beratungsstelle Rostock:
Nach seinem erfolgreich beendeten BWL-Studium will sich Paul S. mit seiner Geschäftsidee selbstständig machen. Doch bevor er endlich sein eigener Chef wird, müssen noch viele offene Fragen geklärt und Entscheidungen getroffen werden. Das Thema „Krankenversicherung“ spielt für Paul S. dabei zunächst keine große Rolle. „Ich muss mich ja ohnehin privat krankenversichern, habe ich von Bekannten gehört. Da soll es sehr günstige Angebote geben“, so Paul S. zu seiner Freundin.
Die Freundin schließt die Möglichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung für Existenzgründer nicht völlig aus. Sie rät Paul S., sich vor der Entscheidung sorgfältig über Vor- und Nachteile beider Versicherungssysteme zu informieren. Wie kann er sich als privat Versicherter bei längerer Krankheit finanziell absichern? Bleiben die Beiträge so günstig wie bei Abschluss des Vertrages? Was passiert, wenn die Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die Krankenversicherung zu bezahlen? Gibt es eine Rückkehrmöglichkeit in die gesetzliche Krankenversicherung? Welche Leistungsunterschiede bestehen?
Aus der Zeitung erfuhr das Paar von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland mit ihren 21 Beratungsstellen. In der Rostocker Beratungsstelle, die sich in Trägerschaft der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern befindet, bestätigt Patientenberaterin Wiebke Cornelius, dass die Wahl der Krankenversicherung besonders für junge Selbständige eine sehr wichtige und weitreichende Entscheidung ist.
„Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass für Existenzgründer die Möglichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung automatisch ausscheidet“, erklärt Cornelius. Der grundsätzliche Unterschied zwischen beiden Versicherungsmöglichkeiten besteht darin, dass in der privaten Krankenkasse die Beiträge von Alter und Gesundheitszustand, in der gesetzlichen hingegen von der Höhe des Einkommens abhängig sind.
So können für jüngere Versicherte mit hohem Einkommen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung niedriger sein als in der gesetzlichen. Dagegen sind die Beiträge für ältere Versicherte mit geringer Rente oder niedrigem Einkommen in der privaten Krankenversicherung meist höher.
Junge Existenzgründer sollten bei der Prüfung von Vor- und Nachteilen der beiden Versicherungssysteme auch an die Zukunft zu denken. Wird in den nächsten Jahren vielleicht eine Familie gegründet? Die beitragsfreie Familienversicherung für Ehegatten und Kinder gibt es nur in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wie sieht es mit der Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung aus? Sie ist bis zum 55. Lebensjahr möglich und an eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gebunden. Selbst wenn ehemals Selbständige einmal ALG II beziehen sollten, ist ihnen die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung verwehrt.
Private Policen hingegen bieten Vorteile wie Chefarztbehandlung und Einzelzimmerunterbringung im Krankenhaus. Der Leistungsumfang kann individuell ausgehandelt werden. Für gesetzlich Versicherte gibt es nur die Möglichkeit, zusätzliche Leistungen wie die Chefarztbehandlung privat zu versichern.
Paul S. hat noch keine Entscheidung getroffen. Mit Patientenberaterin Cornelius wird er sich erneut treffen, um sich weitere Informationen zur Krankenversicherung geben zu lassen. Ihm ist wichtig, die allgemeinen Auskünfte mit seiner individuellen Situation in Übereinstimmung zu bringen. Die Unabhängige Patientenberatung kann ihn dabei unterstützen.
Bei Fragen ist das bundesweite UPD-Beratungstelefon unter der Rufnummer 0800 0 11 77 22 Montag bis Freitag 10-18 Uhr erreichbar (kostenfreie Beratung aus dem Festnetz). Die Beraterinnen und Berater der UPD stehen Ihnen in den regionalen Beratungsstellen auch telefonisch und persönlich zur Verfügung.
Ansprechpartner für Medien:
Wiebke Cornelius
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Dr. Anne Dietel I Wissensmanagement
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