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< zurück ǀ Inhaltsverzeichnis ǀ vor > ǀ Seite als PDF speichernDas Wissen vieler Migrant/innen über medizinische und soziale Hilfsangebote in Deutschland ist oft unzureichend, was auf verschiedenen Handlungsebenen des Gesundheits- und Sozialsystems jedoch meist nicht wahrgenommen wird. Diese Problematik wirkt sich auf den Beratungsverlauf und das Beratungsergebnis aus.
Die Beratung von Migrant/innen ist der Regel zeitaufwendiger als die Beratung von deutschsprachigen Ratsuchenden. Dass die Beratungszeiten länger und häufig mehrere Beratungstermine notwendig sind, geht nicht nur auf sprachliche Probleme zurück, sondern auch auf die Komplexität der Anfragen, mit der die Ratsuchenden in die Beratung kommen. Zudem ist ein Verweisen an andere Stellen innerhalb des Gesundheits‑ und Sozialsystems aufgrund der geringen Kompetenzen der Ratsuchenden und aufgrund von mangelnder interkultureller Kompetenz der Mitarbeiter/innen dieser Einrichtungen nicht möglich oder nicht sinnvoll.
Eine Migrantin kommt in die Beratungsstelle. Sie hat ein Schreiben ihrer Krankenkasse dabei, in dem diese die Finanzierung einer Rehabilitationsmaßnahme ablehnt. Die Ratsuchende versteht den Brief nicht und fragt: Was bedeutet das für mich? Der Berater erläutert zunächst den Inhalt des Schreibens und erklärt ihr, welche Handlungsmöglichkeiten ihr zur Verfügung stehen, um auf den Brief zu reagieren.
In der Beratungsarbeit mit Migrant/innen müssen die Beratenden häufig selbst Briefe schreiben, Telefonate führen und Kontakte zu anderen Institutionen herstellen. Dies führt zu einem erhöhten zeitlichen Aufwand für die einzelne Beratung. Fragen zu Krankheiten oder Krankheitsbildern sind häufig komplex und erfordern lange Gespräche. Auch haben viele Ratsuchende falsche Vorstellungen über die Ursachen von Krankheiten (z.B. Diabetes rührt allein von übermäßigem Zuckerkonsum her) und es bedarf umfangreicher Aufklärung, um Fehlinformationen zu korrigieren.
Die Ressourcen der Ratsuchenden unterscheiden sich je nach Geschlecht und Bildungsniveau. Der überwiegende Teil der Ratsuchenden, die sich für die UPD und eine Beratung interessieren, sind Frauen, die ähnlich wie deutsche Frauen als Gesundheitsmanagerinnen der Familie fungieren. Sie sind häufig in gemeinnützigen Vereinen organisiert und kommen dort zum Frauenfrühstück oder zum Austausch zusammen. Auch sind sie verstärkt in Moscheen zu erreichen. Männer hingegen bevorzugen die persönliche Beratung. Aufsuchende Beratung gestaltet sich bei ihnen schwierig. Türkische Männer treffen sich in Tee- oder Kaffeehäusern, wo der Zutritt für Frauen eher unerwünscht ist. Die Zusammenkunft dient dort auch der Freizeitgestaltung, sodass das Interesse an den Beratungsthemen in der Regel nur mäßig ist.